
Der 44. Internationale Garten-Center Kongress
fand vom 25. – 31. August 2002 in Holland statt. Die
Niederlande waren prädestiniert den rund 220 Kongressteilnehmerinnen
und –Teilnehmern das Kongressthema 'Kooperation' eindrücklich
zu vermitteln. Den Besucherinnen und Besuchern aus 16 verschiedenen
Nationen wurden nicht lediglich die 8 besten Garten-Center Hollands
‚vorgeführt’. Das wäre den Organisatoren dieser
Grossveranstaltung zu einfach gewesen. Stattdessen wurde von jedem
Kooperationstyp ein repräsentativer Betrieb ausgewählt,
welcher das Konzept der Gruppe am besten widerspiegelt.
Aufgrund der grossen Dichte an Garten-Centern ist Kooperation die
einzige Möglichkeit im holländischen Markt erfolgreich
zu sein. Anhand der besuchten Betriebe konnten die Teilnehmerinnen
und Teilnehmer die grossen Unterschiede der einzelnen Kooperationstypen
kennen lernen. Je nach Kooperationsform reichte das Spectrum von
sehr konsequenter Kooperation im Sinne eines Hard-Frenchising bis
hin zur sanften Zusammenarbeit einzelner Garten-Center.
Zur Kooperation:
Allgemeines zur Kooperation
Nach dem 2. Weltkrieg war es für Europa zunächst wichtig,
die eigenen Bedürfnisse decken zu können. Was zur Folge
hatte, dass die Mechanisierung schnell voranschritt und hohen Produktionszahlen
ermöglichte. Diese hohen Produktionszahlen führten aber
mehr und mehr zu einer Überproduktion, durch die Erscheinungen
wie der „Butterberg” und der „Milchsee”
entstanden. Gleichzeitig gab es eine deutliche Tendenz des Verbrauchers
dazu, Fragen zu stellen und nicht mehr automatisch abzunehmen, was
die Industrie ihm vorsetzte. Damit bestimmte die Nachfrage mehr
und mehr das Angebot.
Horizontale Kooperation in Gartencentern
Eine horizontale Kooperation liegt vor, wenn Unternehmen auf derselben
Ebene der Produktionskette zusammenarbeiten. Die horizontale Kooperation
der Gartencenter hat sich gerade in den letzten 20 Jahren verstärkt.
Einen vorsichtigen Beginn gab es schon 1965 mit der Gründung
der niederländischen Gesellschaft für Gartencenter. Der
große Schritt nach vorne fand aber 1979 mit der Gründung
von Covatuin statt, einem wirtschaftlichen Kooperationsverbund von
(damals) 48 Gartencentern, die gesehen hatten, dass ein gemeinsamer
Einkauf große Vorteile bot.
Durch Veränderungen in der Gesellschaft hatten viele dieser
Gartencenter schon eine schnelle Wachstumsphase hinter sich. In
ihrem Ursprung handelte es sich bei diesen Unternehmen oft um Gärtnerei-
oder Pflanzenbaubetriebe. Wegen der zunehmenden Freizeit (der freie
Samstag wurde in den sechziger Jahren eingeführt) hatten diese
Betriebe es mit einem geänderten Nachfrageverhalten der Verbraucher
zu tun. Der Garten wurde mehr und mehr als Erweiterung des Wohnbereichs
betrachtet, in die investiert werden musste. Das hatte zur Folge,
dass das Sortiment der Gartencenter erweitert werden musste. Und
wo es um eine Erweiterung des Sortiments und große Mengen
geht, bietet ein gemeinsamer Einkauf Vorteile.
Mit dem Start von Covatuin wurde zugleich ein Verkaufskonzept für
einige Gartencenter entwickelt, und so entstand der Name „Intratuin”.
Heute, im Jahre 2002, ist Intratuin ein Franchisekonzept geworden,
das Dienstleistungen für Einzelunternehmen bereitstellt, welche
darüber hinaus auch den Namen nutzen dürfen.
Einkaufsvorteile durch Kooperation wurden auch von einer Reihe
anderer Unternehmen gesehen, die noch außerhalb des Covatuin-Verbunds
standen, und so erblickte 1986 die Vesatuin BV das Licht der Welt.
1989 wurde dann innerhalb der Covatuin-Organisation ein zweites
Vertriebskonzept entwickelt: „EuropaTuin”. Es folgte
dem Muster von „Intratuin”. Aber auch neben Vesatuin
war noch Raum für ein weiteres Vertriebskonzept. 3 Jahre später,
1992, ging „GroenRijk”, an den Start.
Für die Betriebe, die lieber unter eigenem Namen aktiv bleiben
wollten und daher mit einem Vertriebskonzept insgesamt nichts anfangen
konnten, gab es zwei Alternativen: Entweder völlig selbstständig
zu bleiben, oder die Dienste einer Einkaufsgenossenschaft in Anspruch
zu nehmen. Innerhalb des Covatuin-Verbundes gab es dafür „Tuinspectrum”,
und innerhalb der Vesatuin-Organisation die Vesatuin-Vertriebsgruppe
(VVG) oder die Vesatuin-Einkaufsgruppe (VIG). Hierbei konnten die
Betriebe in einigen Fällen auch Marketingdienstleistungen in
Anspruch nehmen.
In den 90-er Jahren entstanden immer mehr Kooperationsverbände
von Unternehmen. Hierzu zählten u.a. Garden Masters und Groengilde.
Ende der 90-er Jahre wurde dann deutlich, dass diese Kooperationsformen
sich unter dem Druck eines immer stärkeren Wettbewerbs exakter
positionieren mussten als bisher. Diese Positionierung konnte in
einigen Fällen nur durch eine vollständige Loslösung
erreicht werden, und daher ist Intratuin mittlerweile aus dem Covatuin-Verbund
ausgeschieden.
Horizontale Kooperation: Filialketten
In den letzten 10 Jahren ist auch die Bildung von Filialketten immer
schneller vorangekommen. Der Grund für diese Entwicklung ist
vor allem in dem Bedürfnis einiger Unternehmen zu sehen, an
Größe zu gewinnen, um so einen Vorsprung vor den Wettbewerbern
zu gewinnen. Andere Unternehmen wiederum wollten ihre eigenen geschäftlichen
Aktivitäten ganz aufgeben.
Ranzijn Garten & Tier (7 Niederlassungen), Overvecht (11 Niederlassungen)
und Bos Tier & Garten (4 Niederlassungen) sind Beispiele für
die erste Kategorie. Das Größenwachstum fand in vielen
Fällen auf die Weise statt, dass vorhandene Unternehmen übernommen
wurden, in einigen Fällen auch durch Neugründungen.
Durch die Zunahme von Filialketten sehen vor allem Vertriebskonzepte
wie Intratuin, EuropaTuin und GroenRijk die Notwendigkeit, ihre
selbstständigen Unternehmen (und damit deren Standorte) für
die Zukunft zu erhalten. Was zur Folge hat, dass straffere Verträge
mit den einzelnen Unternehmen abgeschlossen werden, um zu vermeiden,
dass diese von externer Seite „weggekauft” werden. Wenn
ein Gartencenter verkauft werden soll, das sich einem bestimmten
Vertriebskonzept angeschlossen hat, haben seine Partner in diesem
Vertriebskonzept ein Vorkaufsrecht. Das führt dann zu einer
weiteren Filialbildung innerhalb dieses Vertriebskonzepts. So gibt
es innerhalb des Intratuin-Konzepts Unternehmen, die drei Gartencenter
besitzen. Auch die Organisation, der das Vertriebskonzept gehört,
steht bei diesem Prozess nicht am Rande: In manchen Fällen
betreibt sie das Gartencenter selbst weiter.
Horizontale Kooperation: Baumarkt/Gartencenter-Kombinationen
In den Niederlanden war die Kombination von Baumarkt und Gartencenter
im Jahre 1993 ein ganz neues Phänomen. Inzwischen sind wir
fast 10 Jahre weiter, und dieses Modell hat nach einigem „Hängen
und Würgen” festen Boden unter den Füßen gewonnen.
Nach dem Verschwinden von Marktkauf und Wirichs in den 90-er Jahren
sind es nun Praxis und Hornbach, die hier eine wesentliche Rolle
spielen. Wobei die Firma Hornbach 2001 für eine Revolution
sorgte, als sie zwei Intratuin-Center übernahm. Damit wurde
der Druck auf die horizontale Kooperation zwischen den Gartencentern
weiter verstärkt.
Vertikale Kooperation: Die Produktionsketten
Aber auch die vertikale Kooperation steht unter Druck. War die Produktions-
und Handelskette bei Zierpflanzen bis vor kurzem noch stark auf
die Produktion ausgerichtet, entstand doch langsam ein System, bei
dem der Verbraucher durch sein Nachfrageverhalten die Kette steuert.
Durch die Nachfrage des Verbrauchers werden Züchter, Großhandelsbetriebe
und Einzelhändler immer mehr zur Zusammenarbeit gezwungen,
um sich so schnell auf die Nachfrage einstellen zu können.
Insbesondere, weil immer klarer zu erkennen ist, dass die Rendite
des Einzelhandels in Gefahr gerät, wenn er sich nicht an die
Nachfrage anpassen kann.
Twenthe Plant und Bunnik Plant sind zwei hervorragende Beispiele
für eine vertikale Kooperation in der Zierpflanzenproduktions-
und -handelskette, die schnell auf die Nachfrage reagieren kann.
Hillhout ist geradezu ein Lehrbuchfall einer Kooperation zwischen
Einzelhandel und Lieferanten auf dem Gebiet des Gartenbedarfs aus
nicht lebendem Material.
Dass insbesondere im Zierpflanzenbereich vertikal zusammengearbeitet
wird und dass die Nachfrage das Angebot bestimmt, beweist die Entwicklung
eines einheitlichen Streifencodes für Blumen und Pflanzen.
Zusammen mit allen Gliedern der Produktionskette hat man eine Systematik
eingeführt, die sich an den Bedürfnissen des Einzelhandels
orientiert, und mit der in naher Zukunft alle Bestellungen und Informationen
über Blumen und Pflanzen auf elektronischem Wege abgewickelt
werden können. Damit soll die Rendite und die Kooperation bei
allen Gliedern der Produktionskette auf hohem Niveau gehalten werden.
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